Kita und Schule aus dem Baukasten: der Leitfaden „Holzbau im System“
Ein Leitfaden beschreibt standardisierte Holzbausysteme für Kitas und Schulen, mit offenem Bauteilkatalog und BIM-Modellen für Decken, Fassaden und Module.
Ein Forschungsverbund hat standardisierte Holzbausysteme für Kitas und Schulen beschrieben, mit einem offenen Bauteilkatalog und digitalen Modellen. Für Kommunen ist das die Antwort auf eine Frage, die sie jedes Mal neu stellen: Muss wirklich jedes Gebäude ein Einzelstück sein?
Was passiert ist
Der Leitfaden „Holzbau im System“ beschreibt kombinierbare Systembauteile für Kindertagesstätten und Schulgebäude: Stützen, Deckensysteme und Holztafelelemente, aus denen sich unterschiedliche Raumkonfigurationen zusammensetzen lassen. Kern ist ein offener und erweiterbarer Bauteilkatalog, der alle Systembauteile technisch beschreibt und digital bereitstellt; für ausgewählte Bauteile (Decken, Fassaden und Raummodule) wurden BIM-Modelle entwickelt. Die beschriebene Bauweise erfüllt die Vorschriften für Gebäude der Gebäudeklasse 3. Erarbeitet wurde der Leitfaden unter Beteiligung der Hochschule Wismar mit Prof. Martin Wollensak, der Technischen Universität Braunschweig und des Hauptverbands der Deutschen Holzindustrie. Adressiert werden ausdrücklich auch kleine und mittlere Holzbauunternehmen: das System soll nicht nur von Großanbietern bedienbar sein.
Die Zahlen
- Zielgebäude: Kindertagesstätten und Schulen
- Systembauteile: Stützen, Deckensysteme, Holztafelelemente, Raummodule
- Digitalisierungsgrad: BIM-Modelle für Decken, Fassaden und Raummodule
- Abgedeckte Gebäudeklasse: GK 3
- Katalogprinzip: offen und erweiterbar, nicht herstellergebunden
Was das für Kommunen bedeutet
Der interessanteste Punkt ist das Wort „offen“. Ein herstellergebundenes System löst das Problem der Standardisierung, erzeugt aber ein neues: Vergaberechtlich darf eine Kommune kein Produkt vorschreiben, und wirtschaftlich will sie nicht von einem Anbieter abhängen. Ein offener Bauteilkatalog, den mehrere Betriebe bedienen können, umgeht dieses Dilemma. Er beschreibt Anforderungen und Schnittstellen statt Fabrikate. Für Vergabestellen heißt das konkret: Man kann Systemlogik ausschreiben, ohne den Wettbewerb einzuengen.
Der zweite Punkt betrifft die Wiederholung. Kommunen bauen Kitas selten einzeln: sie bauen drei über fünf Jahre, oft mit denselben Raumprogrammen und wechselnden Grundstücken. Bislang wird dabei jedes Mal neu geplant, ausgeschrieben, geprüft. Ein Systemansatz erlaubt es, Planung und Nachweise zu wiederholen und nur die Anpassung an das Grundstück neu zu leisten. Wo das gelingt, sinken Planungskosten und Genehmigungsdauer deutlicher als die Baukosten selbst, und es ist der Vorbereitungsschritt für die Bündelung mehrerer Vorhaben in einem Vergabeverfahren.
Was das für Investoren und Bauherren bedeutet
Für private Bauherren ist die BIM-Komponente das Relevante. Digital beschriebene Bauteile bedeuten, dass Mengen, Kosten und Ökobilanzdaten aus dem Modell abgeleitet werden können, statt in jeder Planungsphase neu geschätzt zu werden. Das wirkt an zwei Stellen: bei der Kostensicherheit in der Frühphase und bei Nachhaltigkeitsnachweisen, die sonst am Datenmangel scheitern. Wer eine QNG-Zertifizierung oder später einen Lebenszyklusnachweis braucht, arbeitet mit Bauteildaten; hat er sie nicht, muss er sie beschaffen, und das ist teurer als sie von Beginn an zu führen.
Die Einschränkung ist die Gebäudeklasse. Das System deckt GK 3 ab, also im Wesentlichen bis zu drei Geschossen und begrenzten Höhen. Für den innerstädtischen Wohnungsbau, wo die Wirtschaftlichkeit an der Ausnutzung des Grundstücks hängt, ist das zu wenig. Ob und wie sich die Systematik nach GK 4 und 5 fortschreiben lässt, ist die entscheidende offene Frage: dort liegen die Volumina, und dort sind Brandschutz- und Schallschutznachweise anspruchsvoller.
Einordnung
Leitfäden bauen keine Gebäude. Der Wert dieses Ansatzes hängt daran, ob Bauämter, Planer und ausführende Betriebe denselben Katalog benutzen, sonst entstehen wieder Einzelstücke mit systematischer Beschriftung. Wichtig ist trotzdem, dass die Standardisierung diesmal von Hochschulen und Verbänden getrieben wird und nicht von einem Anbieter, der sein Produkt zum Standard erklären will. Das erhöht die Chance, dass mittelständische Betriebe mitbieten können, was für Kommunen nicht nur ein wirtschaftliches, sondern ein vergaberechtliches Interesse ist. Wie die Bündelung solcher Vorhaben vergaberechtlich zu handhaben ist, führt direkt weiter zur Frage der Losbündelung im öffentlichen Holzbau.
Quellen: bauenmitholz: Schule aus dem Holz-Baukasten · FNR: Leitfaden „Holzbau im System“ (PDF)
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