Halten Naturdämmstoffe 50 Jahre? Ein Projekt sucht den Nachweis
Biobasierte Dämmstoffe müssen über mindestens 50 Jahre funktionieren. Ein Forschungsprojekt untersucht, wie sich ihre Eigenschaften über die Nutzungsdauer verändern.
Ein Forschungsprojekt untersucht, wie sich biobasierte Dämmstoffe über eine Nutzungsdauer von mindestens 50 Jahren verhalten. Die Frage klingt akademisch: sie ist der Hauptgrund, weshalb viele Planer bei Naturdämmstoffen zögern.
Die Meldung
Das Projekt DaNaRo befasst sich mit der Dauerhaftigkeit von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen. Leitfrage ist, wie sich die Dauerhaftigkeit biobasierter Dämmstoffe über mindestens 50 Jahre nachweisen lässt und wie sich bauphysikalische und mechanische Eigenschaften über die Nutzungsdauer eines Gebäudes verändern. Untersucht werden Alterungsmechanismen wie Setzungs- und Schrumpfprozesse, Veränderungen der Mikrostruktur, der Abbau von Additiven und biologische Einflüsse, jeweils unter Berücksichtigung klimatischer und konstruktiver Randbedingungen. Beteiligt sind das Forschungsinstitut für Wärmeschutz in München und das Fraunhofer-Institut für Bauphysik; koordiniert wird das Vorhaben über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. Das Projekt wird nach Angaben der Beteiligten stark von industrieller Seite unterstützt.
Die Zahlen
- Betrachtungszeitraum: mindestens 50 Jahre Nutzungsdauer
- Untersuchte Alterungsmechanismen: Setzung, Schrumpf, Mikrostruktur, Additivabbau, biologische Einflüsse
- Beteiligte Forschungsstellen: 2 (Wärmeschutzinstitut München, Fraunhofer IBP)
- Status: laufendes Projekt, noch keine Ergebnisse veröffentlicht
Unser Kommentar
Diese Forschungsfrage adressiert das eigentliche Hemmnis bei Naturdämmstoffen, und es ist nicht der Preis. Es ist die Gewährleistung. Ein Planer, der Holzfaser, Stroh, Hanf oder Zellulose einsetzt, haftet für die Funktion, und muss sich darauf verlassen, dass das Material nach 30 Jahren dieselbe Dämmleistung erbringt und nicht gesetzt hat, verrottet ist oder Feuchte gespeichert hat. Für mineralische Dämmstoffe existieren dazu Jahrzehnte an Erfahrung und Prüfnormen. Für biobasierte Dämmstoffe ist die Datenlage dünner, insbesondere bei den neueren Produkten.
Genau deshalb sind Setzungsprozesse der interessanteste Punkt der Untersuchung. Ein Einblasdämmstoff, der sich in einer Gefachkonstruktion um wenige Zentimeter setzt, hinterlässt oben einen Hohlraum, und damit eine Wärmebrücke, die keine Berechnung vorhergesehen hat und die nachträglich schwer zu beheben ist. Das ist kein theoretisches Risiko, sondern der Schadensfall, den Sachverständige kennen.
Für Bauherren ist die praktische Konsequenz derzeit unbefriedigend, aber klar: Naturdämmstoffe sind einsetzbar, wenn Produkt, Einbausituation und Ausführungsqualität passen, und wenn man die Konstruktion so entwirft, dass sie Feuchte auch bei Fehlern verkraftet. Wer maximale Sicherheit will, verlangt vom Ausführenden Nachweise zu Setzungsverhalten und Einbaudichte, nicht nur eine Produktzulassung. Und wer Ökobilanzvorteile biobasierter Dämmung nutzen will, sollte wissen, dass die Rechnung eine lange Nutzungsdauer voraussetzt: Ein Dämmstoff, der nach 25 Jahren getauscht werden muss, verliert seinen Vorteil gegenüber einem, der 50 Jahre hält.
Quellen: FNR/Holzbauinitiative: DaNaRo – Dauerhaftigkeit biobasierter Dämmstoffe
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