26.400 fehlende Fachkräfte in Bauberufen: der Engpass verschärft sich
Der MINT-Frühjahrsreport 2026 weist in Bauberufen eine Lücke von 26.400 Fachkräften aus. Während die MINT-Lücke insgesamt sinkt, wächst sie am Bau.
Der MINT-Frühjahrsreport 2026 nennt für Bauberufe eine Fachkräftelücke von 26.400 Personen, und die wächst, während sie in anderen MINT-Feldern schrumpft. Für Bauherren ist das die Zahl hinter jeder Terminverzögerung.
Die Meldung
Nach dem MINT-Frühjahrsreport 2026 waren im März 2026 bundesweit 369.400 MINT-Stellen unbesetzt, bei 274.130 arbeitslos gemeldeten Personen mit MINT-Berufsprofil. Unter Berücksichtigung von Qualifikation und Anforderungsniveau ergibt sich eine aggregierte Fachkräftelücke von 133.900 Personen. Bauberufe gehören zu den drei größten Engpassfeldern: Hier fehlen 26.400 Fachkräfte, 900 mehr als im Vorjahr, während die MINT-Lücke insgesamt zurückging. In Ingenieur- und Planungsberufen rund um Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur waren im dritten Quartal 2025 über 361.000 Personen beschäftigt, darunter 254.525 Ingenieurinnen und Ingenieure. Seit 2012 ist die Beschäftigung in diesen Ingenieurberufen um 56,2 Prozent gewachsen. Sascha Steuer, Hauptgeschäftsführer des Verbands Beratender Ingenieure, erklärte: „Der Fachkräftemangel im Bau ist kein abstraktes Zukunftsproblem, sondern ein konkretes Umsetzungs- und Investitionshemmnis.“
Die Zahlen
- Unbesetzte MINT-Stellen (März 2026): 369.400
- Aggregierte MINT-Fachkräftelücke: 133.900
- Lücke in Bauberufen: 26.400 Fachkräfte
- Veränderung gegenüber Vorjahr: +900 (gegen den MINT-Gesamttrend)
- Beschäftigte in Bau-/Planungsberufen (Q3 2025): über 361.000
- Beschäftigungswachstum Ingenieurberufe seit 2012: +56,2 %
Unser Kommentar
Die aufschlussreichste Zahl ist die kleinste: plus 900. Während die MINT-Lücke insgesamt schrumpft, weil die schwache Konjunktur Stellen abbaut, wächst sie am Bau. Das heißt, der Bau hat kein Nachfrageproblem bei Personal, sondern ein Angebotsproblem, und zwar auch in einer Phase, in der die Branche über leere Auftragsbücher klagt. Beides gleichzeitig ist kein Widerspruch: Aufträge fehlen im Wohnungsbau, Personal fehlt im Tiefbau, in der Infrastruktur und in der Gebäudetechnik.
Für Bauherren hat das eine unmittelbare Folge. Die Vorstellung, in einer Baukrise seien Kapazitäten beliebig verfügbar, gilt nur für Gewerke mit Auftragsmangel. Sobald das Sondervermögen für Infrastruktur die Tiefbaunachfrage anzieht, konkurriert jedes Hochbauprojekt mit besser finanzierten Infrastrukturvorhaben um dieselben Fachkräfte: Tiefbaufacharbeiter, Bauingenieure, Bauleiter.
Damit wird ein Argument für Vorfertigung wirtschaftlich, das oft nur ökologisch geführt wird: Sie verlagert Arbeit von der Baustelle in die Werkstatt, wo sie mit weniger Personen, unter besseren Bedingungen und witterungsunabhängig erbracht wird. In einem Markt, in dem nicht Geld, sondern Arbeitszeit der Engpass ist, ist das der entscheidende Hebel. Wer heute plant, sollte Ausschreibungen so gestalten, dass ein hoher Vorfertigungsgrad möglich ist, nicht, weil das moderner wäre, sondern weil es die Abhängigkeit von der knappsten Ressource senkt.
Für Kommunen kommt ein zweiter Punkt hinzu: Die Lücke betrifft auch die eigenen Bauämter. Wer ausschreiben, prüfen und bauleiten muss, braucht dafür Personal, das dem gleichen Arbeitsmarkt entnommen wird wie das der Bieter, nur mit schlechteren Konditionen. Ein Teil der Verzögerungen im öffentlichen Bau entsteht nicht bei den Firmen, sondern in der Verwaltung.
Quellen: Bayerische Ingenieurekammer-Bau: MINT-Frühjahrsreport 2026
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