Hochbau minus 6,5 Prozent, Tiefbau plus 7,4: die Schere geht auf
Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe stagniert im April, aber nur in der Summe. Hochbau und Tiefbau entwickeln sich in entgegengesetzte Richtungen.
Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe blieb im April gegenüber dem Vormonat exakt unverändert. Diese Null verdeckt eine Bewegung: Im Hochbau fielen die Aufträge um 6,7 Prozent, im Tiefbau stiegen sie um 6,5 Prozent.
Die Meldung
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts blieb der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im April 2026 kalender- und saisonbereinigt unverändert gegenüber März. Im Hochbau sank er um 6,7 Prozent, im Tiefbau stieg er um 6,5 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat lag der Auftragseingang real und kalenderbereinigt um 0,6 Prozent höher, nominal um 3,6 Prozent: im Hochbau mit einem Minus von 6,5 Prozent, im Tiefbau mit einem Plus von 7,4 Prozent. Der reale Umsatz lag 3,6 Prozent über dem Vorjahresmonat, nominal um 6,3 Prozent höher bei 10,0 Milliarden Euro. Die Zahl der Erwerbstätigen im Bauhauptgewerbe stieg um 1,4 Prozent auf rund 545.000 Personen.
Die Zahlen
| Kennzahl | April 2026 |
|---|---|
| Auftragseingang zum Vormonat | 0,0 % |
| davon Hochbau | −6,7 % |
| davon Tiefbau | +6,5 % |
| Auftragseingang zum Vorjahr (real) | +0,6 % |
| Hochbau zum Vorjahr | −6,5 % |
| Tiefbau zum Vorjahr | +7,4 % |
| Umsatz (nominal) | 10,0 Mrd. € (+6,3 %) |
| Erwerbstätige | rund 545.000 (+1,4 %) |
Unser Kommentar
Diese Zahlen beschreiben präzise, was in der Bauwirtschaft gerade passiert, und weshalb Konjunkturmeldungen so widersprüchlich klingen. Der Tiefbau wächst, getragen von öffentlichen Infrastrukturmitteln. Der Hochbau schrumpft, weil Wohnungs- und Gewerbebau an Zins und Rendite hängen. Beide Effekte heben sich in der Gesamtzahl auf. Wer nur die Schlagzeile liest, Auftragseingang unverändert, verpasst die eigentliche Nachricht.
Für Bauherren im Hochbau folgt daraus zunächst eine gute Nachricht: Kapazitäten sind verfügbar, Angebote schärfer kalkuliert. Ein Vorhaben, das jetzt ausgeschrieben wird, findet Bieter, die den Auftrag brauchen. Die schlechte Nachricht steckt in der Beschäftigtenzahl: 545.000 Erwerbstätige bei plus 1,4 Prozent bedeuten, dass Personal aufgebaut wird: für den Tiefbau. Facharbeiter, die einmal in Infrastrukturprojekte gewechselt sind, kommen nicht automatisch zurück, wenn der Hochbau wieder anzieht.
Für Kommunen ist das ein Argument für Gleichzeitigkeit statt Reihenfolge. Wer Straßen-, Kanal- und Hochbauvorhaben nacheinander abarbeitet, konkurriert bei jedem Losabruf mit dem Markt. Wer sein Hochbauvorhaben jetzt vergibt, während der Hochbaumarkt unterbeschäftigt ist, nutzt ein Fenster, das sich in dem Moment schließt, in dem die Wohnungsbaunachfrage zurückkehrt, und die Genehmigungszahlen deuten darauf hin, dass sie unterwegs ist.
Quellen: Statistisches Bundesamt: Auftragseingang im Bauhauptgewerbe April 2026
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