14 Prozent teurer: Was Holzbau wirklich kostet und was er einspart
Holzbau ist rund 14 Prozent teurer als Massivbau, der Abstand wächst mit jedem Geschoss. Wo der Aufpreis entsteht, wo er zurückkommt: belegte Zahlen.
Im mehrgeschossigen Bereich ist Holzbau teurer als Massivbau: rund 14 Prozent, und der Abstand wächst mit jedem Geschoss. Wer das bestreitet, verliert die Debatte beim ersten Angebot. Interessanter ist, wo der Aufpreis entsteht und wo er zurückkommt.
Was die Marktstudie sagt
Die bislang einzige größere Erhebung zu diesem Thema ist die Marktstudie „Holz als Baustoff im Neubau“, die die bulwiengesa AG im Auftrag der Koalition für Holzbau erstellt hat. Befragt wurden 341 Projektentwickler und Investoren, ausgewertet wurde zusätzlich eine Objektdatenbank mit 478 Holzbauprojekten und rund 4,65 Millionen Quadratmetern Nutzfläche. Die Studie datiert von August 2023; eine aktuellere Erhebung vergleichbaren Zuschnitts liegt nicht vor, weshalb die Zahlen als Größenordnung und nicht als Tagespreis zu lesen sind.
Der zentrale Befund zu den Kosten: Holzbau ist gegenüber dem Massivbau nach Angaben der Koalition für Holzbau um etwa 14 Prozent teurer, und der Kostenunterschied nimmt mit steigender Geschosszahl zu. Als Ursachen nennt die Studie die hohe nationale wie internationale Nachfrage nach Material sowie Genehmigungs- und Zulassungsverfahren als nationale Kostentreiber. Auf der Gegenseite steht die Bauzeit: Bei einem dokumentierten Vergleich zweier baugleicher Häuser in unterschiedlicher Bauweise war die Holz-Hybrid-Variante in der Produktion teurer, wurde aber durch die Vorfertigung schneller fertig; die Studie beziffert das Potenzial der Bauzeitverkürzung auf 30 bis 50 Prozent.
Die Zahlen
- Mehrkosten gegenüber Massivbau: rund 14 %, steigend mit der Geschosszahl
- Mögliche Bauzeitverkürzung: 30–50 %
- Holzbauquote genehmigter Mehrfamilienhäuser (2022): 3,8 % – bei Ein- und Zweifamilienhäusern 22,7 %
- Nichtwohnbau 2022: Büro 5,3 %, Handel 4,5 %, Lager 3,6 %
- Holzbauanteil an Projekten ab 1.500 m² Nutzfläche: rund 2,5 % (Stand Juni 2023)
- Fertiggestellte Holzbaufläche 2020 bis 2022: verdreifacht
- Bauweisen nach Fläche: Holz-Hybrid 66 %, modular 9 %, Holzrahmen/Ständer 7 %, Massivholz 6 %, Holztafel 3 %
- Bauherrenstruktur: 79 % privatwirtschaftliche Entwickler, 14 % kommunale Unternehmen und Genossenschaften
- Baupreise Neubau Wohngebäude Mai 2026: +5,0 % gegenüber Vorjahr
Wo der Aufpreis entsteht
Vier Positionen erklären den größten Teil der Differenz.
Brandschutz. Kapselung, Bekleidung und Detailausbildung kosten Material und Arbeitsgänge. Wo Konstruktion sichtbar bleiben darf, entfällt dieser Aufwand; deshalb ist das Brandschutzkonzept die teuerste Einzelentscheidung im Projekt.
Schallschutz. Leichte Decken brauchen Masse oder aufwendige Entkopplung, um im Wohnungsbau die Anforderungen zu erfüllen. Gelöst, aber nicht kostenlos.
Planungstiefe. Vorfertigung verlangt eine früher fertige und genauere Planung. Diese Stunden fallen zusätzlich an; sie ersparen später Nachträge, stehen aber am Anfang im Honorar.
Marktdichte. Die Studie nennt begrenzte Kapazitäten und fehlendes Know-how bei Planern und Bauunternehmen als zweithäufigstes Gegenargument nach den Kosten. Wo wenige anbieten können, ist der Preis höher: das ist kein Materialeffekt, sondern Wettbewerb, und es erklärt die starke regionale Streuung.
Wo er zurückkommt
Bauzeit. Bei Baupreissteigerungen von 5 Prozent im Jahr und Finanzierungszinsen um 3,5 bis 4 Prozent ist jeder Monat Bauzeit ein messbarer Betrag. Eine Verkürzung um 30 Prozent bedeutet bei einer zweijährigen Bauzeit rund sieben Monate weniger Zwischenfinanzierung, und sieben Monate früher Mieteinnahmen.
Gründung und Bestand. Geringeres Gewicht senkt Gründungskosten und macht Aufstockungen überhaupt erst möglich. Im Bestand ist Holzbau häufig nicht die teurere, sondern die einzige Variante.
Förderung. Ein zinsverbilligtes Förderdarlehen mit 0,6 statt knapp 4 Prozent bewegt bei 150.000 Euro je Wohnung über zehn Jahre eine Summe, die in der Größenordnung der genannten Mehrkosten liegt.
CO₂-Bepreisung. Die Studie rechnet vor, dass konventionelle Baustoffe durch steigende CO₂-Preise teurer werden: genannt werden 25 Euro je Tonne im Jahr 2021 mit Anstieg auf 55 Euro bis 2025. Beton weist danach eine Bilanz von etwa +550 Kilogramm CO₂ je Kubikmeter auf, Holz von etwa −600 Kilogramm. Der Kostenabstand dürfte sich damit über die Jahre verringern.
Einordnung
Die ehrliche Antwort auf die Kostenfrage lautet: Es hängt vom Gebäudetyp ab, stärker als von der Bauweise. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern lag die Holzbauquote 2022 bei 22,7 Prozent, bei genehmigten Mehrfamilienhäusern bei 3,8 Prozent: genau dort, wo Brandschutz und Schallschutz am anspruchsvollsten sind und wo die Studie den mit der Geschosszahl wachsenden Kostenabstand verortet. Wer die Debatte gewinnen will, sollte deshalb nicht behaupten, Holzbau sei billiger, sondern zeigen, wo er es ist: bei Aufstockungen, bei hoher Wiederholung, bei engen Terminen, bei einfachen Nutzungsprofilen.
Zwei Vorbehalte zur Studie selbst gehören dazu. Sie ist von 2023, und seither haben sich Materialpreise, Zinsen und Bauordnungsrecht deutlich bewegt: die Öffnung der Gebäudeklasse 5 für die Holztafelbauweise etwa fällt in den Zeitraum danach und senkt genau die Genehmigungskosten, die die Studie als Kostentreiber benennt. Und die 14 Prozent sind eine Angabe der Koalition für Holzbau, also einer Interessenvertretung des Holzbaus, nicht eine unabhängige Kalkulationserhebung. Dass ausgerechnet die Branche selbst den Aufpreis beziffert, spricht eher für als gegen die Zahl; beschönigt ist sie jedenfalls nicht. Wer als Kommune vergleicht, sollte trotzdem Lebenszykluskosten rechnen und nicht die Investitionssumme allein: Sonst entscheidet man ein Gebäude, das fünfzig Jahre steht, nach der Zahl des ersten Jahres.
Quellen: bulwiengesa/Koalition für Holzbau: Marktstudie „Holz als Baustoff im Neubau“ (2023) · Statistisches Bundesamt: Baupreise Mai 2026
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