Neues DGNB-Rahmenwerk: Klimaneutralität in Etappenzielen
Die DGNB hat ihr Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude überarbeitet: Etappenziele statt Endziel, neue Auszeichnung für Neubauten, keine Vollzertifizierung nötig.
Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen hat ihr Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude überarbeitet. Zwei Änderungen sind praktisch relevant: Etappenziele statt eines fernen Endziels, und eine Auszeichnung für Neubauten ohne Betriebsjahr.
Was passiert ist
Das überarbeitete DGNB-Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte soll ein einheitliches Verständnis von Klimaneutralität im Bau- und Immobiliensektor schaffen und über den gesamten Gebäudelebenszyklus Orientierung geben. Adressiert werden Eigentümer, Investoren, Planende und das Facility Management; unterstützt werden soll bei der Priorisierung von Investitionen, der Entwicklung von Energie- und Transformationskonzepten sowie der Erfassung von Energieverbräuchen und Treibhausgasemissionen. Neu sind Klimaschutzkategorien, die konkrete Etappenziele definieren, statt allein das Endziel zu betrachten, sowie erstmals integrierte Energieziele mit einem ganzheitlicheren Blick auf Effizienz, erneuerbare Energien und das Gebäude als aktive Komponente des Energiesystems. Bei den Auszeichnungen bleibt die Variante „Klimapositiv“ für betriebene Gebäude mit nachgewiesener Klimaneutralität auf Basis realer Verbrauchsdaten; neu hinzu kommt „Klimapositiv geplant und gebaut“ für fertiggestellte Projekte ohne vollständiges Betriebsjahr, bewertet über Berechnungen und Simulationen. Beide Auszeichnungen gelten drei Jahre und sind verlängerbar. Eine vollständige DGNB-Zertifizierung ist künftig nicht mehr Voraussetzung.
Die Zahlen
- Auszeichnungsvarianten: 2 („Klimapositiv“, „Klimapositiv geplant und gebaut“)
- Gültigkeit: 3 Jahre, verlängerbar
- Neu: Klimaschutzkategorien mit Etappenzielen
- Neu integriert: Energieziele
- Vereinfachung: keine vollständige DGNB-Zertifizierung erforderlich
Was das für Kommunen bedeutet
Für kommunale Bauherren ist die Entkopplung von der Vollzertifizierung der entscheidende Punkt. Eine komplette DGNB-Zertifizierung ist aufwendig und für viele Vorhaben schwer zu rechtfertigen: sie kostet Geld, das man auch in Bauteile stecken könnte. Wenn sich die Klimaneutralität eines Gebäudes separat nachweisen lässt, wird der Nachweis auch für mittlere Projekte zugänglich, etwa eine Schulsanierung oder einen Kitaneubau.
Praktisch nützlicher sind aber die Etappenziele. Kommunale Klimaschutzkonzepte scheitern selten am Ziel, sondern am Weg dorthin: Ein Beschluss zur Klimaneutralität 2040 lässt sich in einem Haushaltsjahr nicht abarbeiten. Ein Rahmenwerk, das Zwischenziele definiert, liefert die Zwischenschritte, mit denen sich Investitionen priorisieren und gegenüber dem Gremium begründen lassen, und mit denen sich messen lässt, ob man auf Kurs ist.
Was das für Investoren und Bauherren bedeutet
Die neue Variante für fertiggestellte Gebäude ohne Betriebsjahr schließt eine Lücke, die im Verkauf und in der Finanzierung geschmerzt hat. Bisher konnte ein Neubau seine Klimaqualität erst nach einem Jahr Betrieb belegen: genau in der Phase, in der Verkauf, Vermietung und Finanzierung entschieden werden, fehlte der Nachweis. Dass er nun über Berechnung und Simulation möglich ist, macht ihn im Transaktionsprozess verwendbar.
Die Kehrseite ist bekannt: Berechnete Werte weichen von gemessenen ab. Simulationen arbeiten mit Nutzungsannahmen, die reale Nutzer nicht einhalten: der sogenannte Performance Gap ist bei Energieverbräuchen gut dokumentiert. Wer mit einer berechneten Auszeichnung arbeitet, sollte deshalb den Betriebsnachweis nachliefern und nicht darauf setzen, dass niemand nachfragt. Für Holzbauvorhaben ist das Rahmenwerk insgesamt günstig, weil es den gesamten Lebenszyklus betrachtet: Wo die Herstellungsemissionen mitzählen, wirken Konstruktionen mit gebundenem Kohlenstoff vorteilhaft.
Einordnung
Zertifizierungssysteme haben ein doppeltes Gesicht. Sie schaffen Vergleichbarkeit und geben Bauherren einen Maßstab, und sie erzeugen Aufwand, der mit dem Gebäude selbst nichts zu tun hat. Dass die DGNB die Hürde senkt, ist deshalb sinnvoll, birgt aber ein Risiko: Je einfacher eine Auszeichnung zu erreichen ist, desto weniger sagt sie aus. Entscheidend wird sein, wie streng die Etappenziele definiert und wie belastbar die Berechnungsverfahren sind. Für die Praxis gilt unabhängig davon: Der Nachweis ist nur so gut wie die Datengrundlage. Wer über Bauteildaten, Umweltproduktdeklarationen und dokumentierte Materialherkunft verfügt, kann jedes dieser Systeme bedienen. Wer sie nicht hat, wird sie nachträglich teuer beschaffen: bei jedem Rahmenwerk neu.
Quellen: nbau: Neues DGNB-Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte
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