Bund, Länder und kommunale Spitzenverbände haben über serielles Bauen, die Vorbildrolle öffentlicher Bauherren und die Regeln der Ökobilanzierung beraten. Alle drei Themen laufen an derselben Stelle zusammen: im Rathaus.

Was passiert ist

Der Runde Tisch der Holzbauinitiative der Bundesregierung tagte im November 2025 mit Vertretern von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden. Drei Themen standen im Mittelpunkt: serielles und modulares Bauen als Weg zu schnelleren und günstigeren Neubauten und Bestandserweiterungen, die Rolle der öffentlichen Hand als Bauherr und Förderer, sowie die Weiterentwicklung der Regeln zur Ökobilanzierung. Ziel der Initiative ist nach Angaben von FNR-Geschäftsführer Dr.-Ing. Andreas Schütte, das Bauen mit Holz in Deutschland strategisch zu stärken und Hemmnisse abzubauen. Eine weitere Tagung ist für 2026 vorgesehen.

Die Zahlen

  • Beteiligte Ebenen: Bund, Länder, kommunale Spitzenverbände
  • Schwerpunkte: serielles/modulares Bauen, öffentliche Hand als Bauherr, Ökobilanzierung
  • Holzbauanteil im Nichtwohnbau (Lagebericht): 25,1 %
  • Spitzenwert im Ländervergleich: 34,3 % (Baden-Württemberg)
  • Nächste Tagung: 2026 geplant

Was das für Kommunen bedeutet

Dass kommunale Spitzenverbände am Tisch sitzen, ist mehr als Protokoll. Die öffentliche Hand ist in Deutschland einer der größten Bauherren, und sie ist der einzige, der seine Beschaffung politisch begründen muss, was sie zum wirksamsten Instrument macht, das der Staat für einen Marktwandel hat. Wenn eine Kommune drei Kitas in Holz ausschreibt, entsteht regionale Kompetenz, die dem nächsten privaten Bauherrn zugutekommt: Planer mit Erfahrung, Betriebe mit Referenzen, ein Bauamt mit Routine.

Anknüpfen lässt sich beim seriellen Bauen. Kommunen bauen wiederkehrende Gebäudetypen (Kitas, Grundschulen, Feuerwehrhäuser) mit ähnlichen Raumprogrammen an unterschiedlichen Standorten. Wer diese Wiederholung nutzt, statt jedes Vorhaben als Unikat zu behandeln, spart in der Planung mehr als im Bau. Voraussetzung ist, dass Standards und Bauteilbeschreibungen einmal erarbeitet und dann wiederverwendet werden. Genau dafür gibt es inzwischen Systemleitfäden mit offenen Bauteilkatalogen.

Was das für Investoren und Bauherren bedeutet

Für Investoren ist das dritte Thema das wichtigste: die Ökobilanzierungsregeln. Wie die Klimawirkung eines Gebäudes berechnet wird, entscheidet darüber, ob Holzbau in Nachweisen und Zertifizierungen als Vorteil erscheint oder nicht. Die zentrale Streitfrage ist die Behandlung des im Holz gebundenen Kohlenstoffs und des Lebensendes eines Bauteils: Wird angenommen, dass Holz am Ende verbrannt wird, geht der Speichervorteil in der Bilanz verloren; wird eine Weiterverwendung angesetzt, bleibt er erhalten. Diese methodische Entscheidung ist für die Wirtschaftlichkeit von Holzbauprojekten unter kommenden Nachweispflichten bedeutsamer als die meisten Förderprogramme.

Wer heute plant, sollte deshalb die Bilanzierungsregeln nicht als Fachthema an den Energieberater delegieren. Sie werden in den nächsten Jahren zu einer Größe, die auf Finanzierungskonditionen und Bewertungen durchschlägt.

Einordnung

Runde Tische produzieren Protokolle, keine Gebäude. Die Initiative läuft seit Jahren, und die Holzbauquote im Nichtwohnbau bewegt sich in kleinen Schritten: sichtbare Sprünge gab es dort, wo Länder Bauordnungsrecht geändert oder Förderprogramme aufgelegt haben, nicht nach Gesprächsrunden. Der Wert solcher Formate liegt anderswo: Sie sind der Ort, an dem Bilanzierungsregeln und Musterverfahren abgestimmt werden, bevor sie als Vorschrift auftauchen. Wer wissen will, welche Nachweise in drei Jahren verlangt werden, findet hier die früheste Spur. Für die Praxis heißt das: mitlesen, nicht abwarten.


Quellen: FNR: Runder Tisch der Holzbauinitiative

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