21.000 Wohnungen im Mai: fünf Monate in Folge im Plus
Im Mai 2026 wurden 21.000 Wohnungen genehmigt, 24,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Der stärkste Zuwachs seit Februar – doch der Zins von heute wirkt erst später.
Im Mai wurden 21.000 Wohnungen genehmigt, 24,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor – der stärkste Zuwachs seit Februar. Fünf Monate in Folge liegt der Wohnungsbau über Vorjahr, doch die Zinserhöhung vom Juni ist in diesen Zahlen noch kaum enthalten.
Die Meldung
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wurde im Mai 2026 der Bau von 21.000 Wohnungen genehmigt, 4.200 mehr als im Mai 2025, ein Plus von 24,7 Prozent. Bei den Neubauwohnungen fiel der Zuwachs mit 29,9 Prozent auf 17.800 Einheiten noch deutlicher aus; Umbaumaßnahmen in bestehenden Gebäuden legten dagegen nur um 2,0 Prozent auf 3.200 Wohnungen zu. Damit setzt sich die Aufwärtsbewegung des Jahres fort und beschleunigt sich sogar: Januar 8,4 Prozent, Februar 24,1 Prozent, März 11,5 Prozent, April 9,2 Prozent, Mai 24,7 Prozent.
Für den Zeitraum Januar bis Mai 2026 zählt das Amt kumuliert 104.700 genehmigte Wohnungen, 15,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, davon 86.000 Neubauwohnungen, ein Plus von 16,6 Prozent. Nach Gebäudetyp aufgeschlüsselt: Einfamilienhäuser kommen auf 19.900 Wohnungen (+12,6 Prozent), Zweifamilienhäuser auf 6.200 (+21,6 Prozent) und Mehrfamilienhäuser auf 56.100 (+18,9 Prozent) – der Geschosswohnungsbau stellt damit gut die Hälfte aller genehmigten Wohnungen und trägt den absoluten Zuwachs, auch wenn die relative Zunahme bei den Zweifamilienhäusern höher ausfällt. Bei Nichtwohngebäuden wurden 1.700 Wohnungen genehmigt, ein Plus von 26,8 Prozent, bei Umbauten bestehender Gebäude 16.900, ein Plus von 8,6 Prozent. Der Neubau trägt den Aufschwung damit klar stärker als die Arbeit am Bestand, und innerhalb des Neubaus wiederum der Geschosswohnungsbau stärker als das freistehende Einfamilienhaus.
Die Zahlen
| Monat 2026 | Wohnungen | Veränderung |
|---|---|---|
| Januar | 19.500 | +8,4 % |
| Februar | 22.200 | +24,1 % |
| März | 21.800 | +11,5 % |
| April | 20.200 | +9,2 % |
| Mai | 21.000 | +24,7 % |
Unser Kommentar
Fünf Monate in Folge im Plus, und der Mai bringt mit 24,7 Prozent den stärksten Zuwachs seit Februar. Wer die Reihe nüchtern liest, sieht keinen linearen Aufschwung, sondern ein Auf und Ab zwischen 8 und 25 Prozent auf einem inzwischen spürbar höheren Niveau als im Vorjahr. Das ist mehr als ein Basiseffekt aus den schwachen Vorjahresmonaten, aber es ist auch kein Beleg dafür, dass sich der Wohnungsbau bereits von den Zinsen abgekoppelt hätte.
Der entscheidende Vorbehalt bleibt die Zeitachse. Eine Genehmigung im Mai geht auf einen Bauantrag aus dem Winter und eine Investitionsentscheidung aus dem Herbst 2025 zurück – getroffen bei einem Leitzins von 2,0 Prozent. Die EZB-Erhöhung vom Juni auf einen Einlagensatz von 2,25 Prozent, den der Rat am 23. Juli bestätigt und pausiert hat, und die seither gestiegenen Bauzinsen wirken auf die Genehmigungszahlen erst mit mehreren Monaten Verzögerung. Wie stark der Bau tatsächlich auf das höhere Zinsniveau reagiert, zeigt sich frühestens in den Zahlen für Herbst und Winter. Ein früher Hinweis liefert das ifo-Geschäftsklima Bau, das im Juli auf minus 20,4 Punkte gestiegen ist, nach minus 22,8 im Juni – eine Verbesserung der Stimmung, aber noch tief im negativen Bereich.
Zweiter Punkt: Eine Genehmigung ist kein Baubeginn. Der Bauüberhang lag Ende 2025 bei 760.700 Einheiten, während die Fertigstellungen im selben Jahr um 18,0 Prozent zurückgingen. Ein Teil des erteilten Baurechts wird also nicht oder erst mit erheblicher Verzögerung umgesetzt, und das gilt gerade für das Segment, das im Mai am stärksten zulegte: Mehrfamilienhäuser sind kapitalintensiver und reagieren empfindlicher auf einen höheren Fremdkapitalzins als das selbst genutzte Einfamilienhaus. Wer hier finanziert, rechnet über zehn oder mehr Jahre – ein Viertelpunkt beim Einlagensatz verändert die Kalkulation eines ganzen Wohnblocks anders als die eines Einfamilienhauses.
Für Bauherren, die eine Genehmigung bereits in der Tasche haben, wird Warten in diesem Umfeld teurer: Die Baupreise sind im Mai um 5,0 Prozent gestiegen, und die Zinsen ziehen seit Juni ebenfalls an. Das ifo-Institut misst diese Vorsicht direkt: Trotz der leichten Erholung im Juli bleibt der Index für das Baugewerbe tief im negativen Bereich, und ein einzelner Monat kehrt keinen Trend um. Für Kommunen bleibt die Frage aus den Vormonaten bestehen: Wie viel des genehmigten Baurechts wird am Ende tatsächlich gebaut, und wie viel bleibt Papier, während Erschließungskosten längst gebunden sind? Bei Vorhaben, die absehbar nicht in Bauanträge übergehen, lohnt sich für die Verwaltung ein frühes Gespräch mit dem Bauherrn – oft entscheidet sich dort, ob ein Grundstück in diesem Zyklus überhaupt bebaut wird.
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